Geldsysteme

Ist Geld etwas Gutes oder etwas Schlechtes? Geld an sich ist nichts Schlechtes. Es ist eigentlich ein einfaches Tauschmittel und damit weder gut noch schlecht.

Einfacher ist die Frage zu beantworten, wenn man diese auf unser Geldsystem bezieht: Unser jetziges Geldsystem ist schlecht, weil es eine Umverteilung von fleißig nach reich bewirkt. Wieso ist das so? Wegen der Zinsen. Die bewirken nämlich, dass ein Produkt, bis es hergestellt ist und für uns zum Kaufen bereit steht, mindestens doppelt so viel kostet, weil in der Herstellungkette jeder Zwischenschritt eines gewissen Kapitals bedarf, welches verzinst ist. Selbst wenn eine Firma komplett mit Eigenkapital arbeitet, dann muss Sie Zinsen mit einrechnen, da sie ja sonst schlechter stünde, als wenn sie das Geld anlegen würde. Das bedeutet, dass wir Verbraucher für alles das mindestens so viel Zinsen bezahlen wie für das eigentliche Produkt und somit mit jedem Produkt, das wir kaufen, dazu beitragen, dass da wo viel Geld ist noch mehr angehäuft wird (Der Volksmund weiß das instinktiv, wie dieses Sprichwort belegt: “Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen!”). Durch die Zinsen müssen wir mehr arbeiten als eigentlich nötig wäre und durch die ständige Geldentwertung (Inflation) wird dieser Zustand noch permanent verschlimmert.

Einen Gegenvorschlag, wie das ganze auch anders zu lösen wäre, bietet beispielsweise Prof. Dr. Hörmann, hier im Interview:

Was fast niemand weiß (mich bis vor kurzem eingeschlossen) ist, dass es in der Vergangenheit bis Ende des 14. Jahrhunderts verboten war, Zinsen zu verlangen. Das kann man unter anderem sehr schön in Wikipedia unter “Zinsverbot” nachlesen. Das Geldsystem war damals so organisiert, dass die damaligen Geld-Münzen immer nur ein Jahr gültig waren und dann nur noch zu einem geringeren Prozentsatz in Geld des neuen Jahres umgetauscht werden konnten (Die so genannte “Geldverrufung”). Somit hatten die, die Geld hatten, und das waren damals Kaufleute und vor allem Handwerksmeister einen starken Anreiz, das Geld irgendwie in Umlauf zu bringen, bloß nicht zu sparen. Es wurde somit liebend gerne verliehen (ohne Zinsen zu nehmen) und konnte auf diese Weise das Geld für längere Zeit verlustfrei “lagern”. Viele haben es auch gespendet, um für ihr Seelenheil vor zu sorgen . Das war die gotische Epoche in der sehr viele Städte, Kirchen und Kathedralen entstanden. Den Menschen ging es in dieser Zeit sehr gut: Es gab reichlich Nahrung und ein umfassendes Sozialsystem. So musste ein Arbeitgeber (Handwerksmeister) nicht nur für seine Angestellten sondern auch für dessen ganze Familie nebst Kindern und Greisen sorgen. Außerdem hatten die Menschen damals viel mehr Zeit als heute und das lag nicht an den fehlenden Gadgets, mit denen wir heutzutage gerne auch noch den Rest unserer sowieso knappen Freizeit vernichten. Die Menschen damals hatten eine 20-30 Stunden Woche. Sie haben an vier Tagen der Woche je sechs Stunden gearbeitet und außerdem gab es noch viel mehr Feiertage als heute. Ich habe hier einen schönen Artikel gefunden, der das genauer beschreibt, als ich es hier tue:

Das Geldsystem der Gotik

Jemand, der das auch hervorragend erklären kann ist Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, hier ein Vortrag von Ihm zu diesem Thema, indem auch das exponentielle Wachstum von Verschuldung und Geldmenge im Konflikt zur real existierenden und “nur” linear ansteigenden Wirtschaftsleistung verdeutlicht wird:

 

Es gibt auch durchaus Ansätze, die ein Finanzsystem ohne Zinsen auch in der heutigen Zeit ermöglichen. Ein solcher Ansatz ist der “Plan B” von Andreas Popp und Rico Albrecht, die gemeinsam dieses Konzept erarbeitet haben und es über die Wissensmanufaktur veröffentlichen. Hier ist der direkte Link:

Wissensmanufaktur – Plan B

und hier der Vortrag, in dem sie ihr Konzept vorstellen:

Bookmark/Empfehlen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>